Wild Atlantic Way

Wild Atlantic Way

10. Januar 2019 Aus Von Claudia

Am Anfang war ein Video, über das ich bei YouTube stolperte.

Eine riesige Welle bricht. Wellen donnern gegen Felsen. Ein Pferd galoppiert, im Hintergrund das Meer… „This is Irelands last frontier against the Atlantic“. Mir war bereits nach diesen 34 Sekunden des etwa 3-Minütigen Videos klar, dass ich da hin muss. Wollt ihr euch das Video ansehen? Das wurde von Failte Ireland auf YouTube hochgeladen. Entschuldigt, dass ich das Video hier nicht eingebettet habe, aber ich bin mir nicht sicher ob dann nicht irgendwelche Daten automatisch an YouTube übertragen werden. Durch den link kann jeder selbst entscheiden ob er sich zu YouTube begeben möchte oder nicht:

Failte Ireland – Wild Atlantic Way (link zum Video auf YouTube)

Nachdem ich das Video gesehen hatte war mir sofort klar, dass ich die Westküste Irlands irgendwann mal entlangfahren / -gehen / -radeln muss – und nicht nicht nur, so wie die letzten Jahre, kurz mal den ein- oder anderen Abstecher an die Küste machen. In der folgenden Karte hab ich sowohl den Wild Atlantic Way eingezeichnet als auch die Orte am Wild Atlantic Way, die ich in den letzten Jahren bereits besucht habe.

Derry

Oktober 2014. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch Ulster (Norden von der Republik Irland und  Nordirland). Auszug aus meinem Reisetagebuch:

„Doíre war der Name der ursprünglichen Siedlung im 10. Jahrhundert. Der Name wurde anglisiert zu Derry, wie die Stadt die nächsten Jahrhunderte hieß. 1613 vergrößerte sich der Einfluss Londons, welches Siedler nach Derry schickte. Diese benannten die Stadt neu: Londonderry…

Am Morgen zog ich los um mir erst mal einen neuen Haarföhn kaufte, denn ich hatte den Adapter vergessen. Im Herbst ist es nun doch zu kalt um die Haare lufttrocknen zu lassen.

Am Nachmittag führten mich die Geocaches in den Brook Parc. Es ist wunderschön friedlich dort und man hat einen herrlichen Blick auf die Stadt.

Am Abend fand ich dann den Adapter. Na klasse, nun bin ich den ganzen Urlaub über völlig überflüssigerweise mit zwei Föhns unterwegs…“

Donegal

Oktober 2013. Reiturlaub in Nordirland. Auszug aus meinem Reisetagebuch: 

„Am Sonntag gibts keinen Reitunterricht im Ardmourne House. Dafür ist Ausflugstag. Wir werden von Joe mit dem Auto nach Donegal gebracht. Die Landschaft ändert sich recht dramatisch. Die grünen Auenlandhügel weichen höheren”Bergen” und diese sind mit bräunlichen Gräsern oder so bewachsen. Außerdem steht hier Wald, richtiger Nadelwald. Da, ein Wasserfall. In der Gegend wird Torf gestochen, darum schaut wohl alles auch so braun und sumpfig drein… Begeistert schaue ich aus dem Autofenster.

Donegal ist klein, und da es regnete gingen wir erst mal in ein Kaffee und quatschen. Als es draußen trockener wurde sahen wir uns etwas im Ort um. Die Burg hatte nun leider bereits geschlossen, doch dann entdeckte ich etwas, das aussah wie Ruinen. Wir gingen drauf zu uns standen vor den Ruinen einer alten Abbey mit Friedhof. Im abnehmenden Licht des späten Nachmittags wirkt das total surreal mit den schreienden Krähen… Einfach nur toll!

Murvagh (ca. 10 km südlich von Donegal)

Oktober 2013. Ich saß das erste mal in meinem Leben auf einem Pferd. Ne wackelige Angelegenheit, aber total cool – und dann gings auch noch zum Reiten an den Strand! Auszug aus meinem Reisetagebuch: 

„An Tag vier meines Aufenthalts im Ardmourne House (Nordirland) kündigt uns Joe an, dass wir an den Strand fahren würden zum Reiten. Das Wetter sei gut und am Nachmittag sei Ebbe. Die Pferde werden in den LKW geladen wo sie freiwillig einsteigen. Nach einer Dreiviertel Stunde Fahrt sind wir an einem Strand südlich von Donegal (Republik von Irland) angekommen. Dort werden die Pferde entladen und wir steigen hinter den Dünen auf. Zwischen den Dünen gehts dann zum Strand. Hey Leute! Ich sitze auf einem Pferd und reite über einen Strand! Wir ritten dann auch noch ins Meer was Gypsi, mein Pferd, aber total blöd fand. Er freute sich als es endlich wieder aus dem Wasser raus ging.

Danach sind wir den Strand entlanggetrabt. Ich kam öfter mal aus dem Rhytmus und musste mit dem Fuß im Steigbügel kämpfen, aber so lange war ich noch nie am Stück getrabt. Das blöde ist, das wenn man es falsch macht der Hintern weh tut.

Zur Belohnung durften wir dann in den Wald hinter den Dünen. Da waren schmale Trail auf denen es sich herrlich ritt. Im Schritt gings hinauf und hinunter und um Bäume herum. Für Gypsy war das ein Schlaraffenland. Das Futter wächst einem bis ins Maul. Das ist echt ein toller Wald, ein richtiger Feenwald – und ich reite durch ihn durch! Ich kann es gar nicht fassen! Es ist herrlich!Und ich merke wie es ist auf nem Pferd runter und rauf zu reiten. Vor- und zurücklehnen, je nachdem.

Dann, irgendwann sind wir wieder raus aus dem Wald und reiten durch die Dünen zurück zum Strand. Shauna wollte nochmal ins Wasser mit den Pferden. Nicht mit Gypsy! Diesmal schaffte sie es nicht mehr ihn weiter als bis zu den Knien ins Wasser zu bringen. So schnellen Schrittes ist Gypsy noch nie gegangen als diesmal vom Wasser weg an den rettenden Strand. Wir trabten nochmal eine Strecke wobei ich wieder mit Problemen zu kämpfen hatte. Dann konnte ich nicht mehr und bat um Gnade und so gings im Schritt zurück zum Parkplatz wo Joe schon mit dem LKW auf uns wartete.
Der Nachmittag war echt super!“

Sligo

Oktober 2013. Vor meinem Reitkurs verbrachte ich ein paar Tage in Enniskillen (Nordirland). Von dort aus machte ich zum Gecoachen einen Ausflug nach Sligo / Sligeach (Republik Irland). Auszug aus meinem Reisetagebuch:

Morgennebel. Dieser vernebelte nicht nur die Welt, sondern auch mein Gehirn. Ich Depp!Ich habe meine Euro im Hotel gelassen – und wurde sofort dafür bestraft. Der Bus ist von der Republic of Ireland (Bus Eirann) und man hätte den Fahrer in Euro zahlen müssen, die ich schlauerweise im Hotel gelassen hatte – Enniskillen ist ja in Nordirland. Was soll ich sagen… Die rechnen nicht lange um und verlangen, für so viel Blödheit das in Pfund, was es in Euro kosten würde. Wenn morgen nicht Regen vorhergesagt wäre, dann wäre ich jetzt nicht eingestiegen, aber den Ausflug wollte ich am letzten trockenen Tag machen…

Ah, der Bus fährt los! Es war eine kleine Straße, die sich durch Dörfer und später ein Tal schlängelte. Das Tal ist ja gigantisch! Grüne Hänge, Schafe und Kühe auf der Weide, Bauernhöfe. Es war sonnig, aber zwischendrin hing immer wieder der Morgennebel. Und am Ende des Tals: Sligo im stählenden Sonnenschein! Auf die Caches, fertig los!“

Clifden

Mai 2014. Gemeinsam mit ner Freundin wagte ich das Abenteuer „Fahren im Linksverkehr“ und wir eroberten Irland mit dem Auto. Auszug aus dem Reisetagebuch:

„Dann kamen wir in Clifden, einen kleinen Ort an der Westküste Irlands an. Enge Gassen, einmal kurz verfahren, doch mit dem Navi des Handys alles kein Problem – solange wir Netz haben…

Es ist einfach herrlich hier! Im Wintergarten des Clifden Bay Lodge B&B durften wir unser mitgebrachtes Essen verspeisen. Die Sonne schien herein und wir blickten auf das Meer. Traumhaft.

Am nächsten Morgen saß ich plötzlich aufrecht im Bett. Ein ohrenbetäubender Schrei hatte mich geweckt. Es war sechs Uhr – und ich bekam erst mal einen Lachanfall! ‚Ich bin noch nie von einem Esel geweckt worden!‘Doch seine Mühe war vergeblich, denn wir schliefen wieder ein und standen erst um halb acht auf. Schließlich ist Urlaub!“

Galway

Mai 2014. Auf unserem Roadtrip blieb nicht viel Zeit für Galway. Auszug aus meinem Reisetagebuch:

„In Galway hielten wir für Tee und Kuchen und um uns die Füße etwas zu vertreten.„Ganz nett.“War unser Urteil – und fuhren weiter.“

Ich hätte ja noch gerne etwas mehr besichtigt, aber wir hatte noch ein ganzes Stück zu unserer vorgebrachten Unterkunft und so fuhren wir viel zu schnell wieder ab.

Cliffs of Moher

Mai 2018. Roadtrip mit dem Mietwagen, den wir jedoch erst mal gegen ein Boot tauschten, denn wir wollten die Cliffs auch vom Wasser aus sehen. Auszug aus meinem Reisetagebuch:

„Auf, zu den Klippen von Moher!!! Man sah schon deren dunklen Schatten, die oben im Nebel verschwanden. Immer näher kamen wir und dann wurde das Boot langsamer. Und das Schaukeln änderte sich – und ich erinnerte mich an Steffis Worte ‚Schau auf den Horizont! Immer auf den Horizont schauen!‘ Und ich sah auf den Horizont: ‚The horizon is my friend! The Cliffs are my friends! Fixed points in this moving environment are my friends! The horizon is my friend! The Cliffs are…‘  Ich hielt den Foto in die Höhe und drückte ohne hinzugucken, die Augen starr auf einen Festen Punkt gerichtet, ab. Irgendwas wird schon drauf sein…

Es war total beeindruckend! Die dunklen Felsen, dich so hoch aus dem tosenden Meer aufstiegen. Unten von weißer Gischt, die hoch aufspritzt umspühlt. Oben im grau des Nebels verschwindend… Hier leben in Felshöhlen die dunklen Mächte, dunkle Gestalten der irischen Mythologie, … Wo anders sollten die in diesem sonst so grünen Auenland das mit Leprachauns und Elfen bevölkert ist ihren Platz finden?

Ganz ergriffen fuhren wir zurück – und ich kämpfte weiter meinen einsamen Kampf gegen die Übelkeit. „The horizon…“

Am nächsten Tag fuhren wir dann noch mit dem Auto zu den Kippen um auch von oben einen Blick in die Tiefe zu werfen. Der Nebel des Vortags war verschwunden…

Portmagee – unser Tor zu den Skellig Islands

Mai 2014. Wir wollten zu den Skellig Islands und fuhren auf schnellstem Weg weiter nach  Portmonee. Auszug aus meinem Reisetagebuch:

„Am Vortag erreichten wir nach einer langen Fahrt ein B&B, dass Touren zu den Skellig Islands vermittelte. Lange musste sie telefonieren, aber dann fand sie bei „The Skellig Experience“ noch zwei Plätze. Auf die Skelligs dürfen wegen der Vögel nur eine genau vorgeschriebene Anzahl von Menschen. Was haben wir für ein Glück!

Gleich nach dem Frühstück fuhren wir los und tatsächlich ging alles klar. Kurz nach zehn schipperte unser Schiff los. Das Wasser war schön ruhig und ich freute mich über die Schifffahrt bei strahlendem Sonnenschein. Als wir die schützende Bucht verliesen spritzte die Gischt ins Boot – und plötzlich…Oh je, wie weit ist es noch?„The horizon is my firend!“unendlich lange dauerte die Überfahrt. Ich stelle mir einen jungen Mönch vor, der zum ersten mal auf die Insel fährt und von Seekrankheit geplagt wird… Wie toll es sein wird wieder festen Boden unter den Füßen zu haben… Ohhhhhh

Dann kommen wir an. Mit zittrigen Beinen hänge ich am Seil und hangle mich die schmalen Stufen zur Anlegestelle hoch. Die Brandung hämmerte gegen die Felsen, der Wind pfiff uns um die Ohren, Vogelschreie in der Luft…. Da bleibe ich erst mal stehen und gehe dann ganz langsam weiter. Ohhhhhhje….Ich kann nicht aufs Meer schauen! Nur keine plötzlichen Kopfbewegungen! Wie soll ich da Vögel beobachten? Dann, ja, dann steh ich plötzlich vor einer steilen, uralten Treppe – ich gehe den ersten Absatz hoch und setze mich erstmal wieder und trinke etwas Cola. Meine Beine sind noch immer nicht so ganz standfest.

Nachdem sich meine Beine erholt hatten stiegen Lydia und ich weiter nach oben. Oh Gott ist das steil! Will ich da wirklich hoch? Und wie komm ich wieder runter?Dann sah ich eine Bewegung aus den Augenwinkeln und stoppte. Boh…Er guckte sich etwas um, dann drehte er sich um, kackte in unsere Richtung und verschwand wieder in seiner Bruthöhle. Weg war er. Ich war hin und weg. Ein Puffin!!!später sah ich noch, wie sich ein Puffin von den Klippen stürzte und aufs Meer hinausflog. Das war mehr als ich erwartet habe. Total super!

Weiter gings nach oben, immer weiter. Das Meer war bald nicht mehr zu hören. Dann kamen die Klostermauern in Sicht. Wie ein Schwalbennest klebt es am Felsen. Dort oben war es -wider erwarten- himmlisch ruhig. Stille!!! Unglaublich! Man würde gerne länger hier bleiben.“

Ja vor allem ich hatte so überhaupt keine Lust auf die Rückfahrt, denn die würde wieder die Seekrankheit bringen. Richtig schlecht gings mir wieder und über das was passierte, als ich wieder festen Boden unter den Füßen hatte – darüber schweige ich …

Kenmare

Mai 2014. Nach unserem Ausfug auf die Skellig Island fuhren wir wegen meiner Seekrankheit etwas verzögert weiter. Mit einer Tüte in der Hand saß ich auf dem Beifahrersitz. Die kurvige Straße trug nicht gerade zur Besserung bei. In Kenmare legten wir daher einen Übernachtungsstopp ein. Auszug aus meinem Reisetagebuch:

„Einen eigenen Parkplatz gab es nicht, aber eine Parklücke direkt vor dem Hotel am Straßenrand. Lydia saß am Steuer und musste somit einparken. Gar nicht so einfach mit dem Steuer auf der anderen Seite und dann noch rechts. Das ist ja so, als wie wenn man bei uns am linken Straßenrand rückwärts einparkt. Ich spielte den Abstandsanzeiger, vorne und hinten, Reifen am Bürgersteig und wieder runter. Ja, das Auto zu steuern ist nicht so einfach in der Spiegelwelt… Doch am Ende hatte Lydia das Auto perfekt in der Parklücke gestellt. Klasse gemacht!

Als wir beim Abendessen saßen kam eine Amerikanerin auf uns zu und erzählte uns wie prächtig sie und ihr Mann sich über unsere Einparkkünste amüsiert hatten. Ihrem Mann sei es vor einigen Tagen auch so gegangen. Das sei das Ereignis gewesen welches unseren Tag gerettet hatte. Sie hätte Tränen gelacht. Ob sie uns Drinks spendieren dürfe… Wir sagten ihr, dass wir bereits geordert hatten und sie legte uns, trotz leichtem Protest, 15 € auf den Tisch. Unser Guinnes war bezahlt. Cheers! Später gabs dann noch life Musik im Restaurant-Pub des Hotels und wir tranken noch ne Halbe.“

Cork / Cobh *hüstel*

September 2017. Mit Bus und Fähre reiste ich von London über Waterford nach  Cork und machte von dort aus  einen Abstecher mit dem Zug ans Meer, nach Cobh.

Also strenggenommen gehört das nicht hierher, denn der Wild Atlantic Way beginnt erst  etwa 30 km westlich von hier, in Kinsale. Doch zumindest hatte ich auch die Südküste schon mal besucht.

Die Idee, dem ‚Wild Atlantic Way‘ entlangzufahren, war also geboren. Doch die 2.500 km machen mir etwas Angst. Wie soll ich sie angehen?

Radeln oder Wandern wäre toll, aber das ist schon recht weit… Am liebsten reise ich ja mit öffentlichen Verkehrsmitteln, aber das wird in diesem Fall nicht klappen, weil die nicht der Küstenstraße folgen – und mit dem Mietwagen ist es so ne rumfahrerei… Irgendwie glaube ich, dass es eine Mischung aus allem werden könnte – und auf mehrere Urlaube verteilt, damit ich vor Ort ausreichend Zeit habe die Gegend zu entdecken.

Dann stellt sich noch die Frage wann ich wo lostrudeln soll. Doch auch das wird sich klären und die 

Fortsetzung wird irgendwann folgen …