Ein Stückchen geht noch auf dem Wales Coast Path

Ein Stückchen geht noch auf dem Wales Coast Path

27. Mai 2018 2 Von Claudia

Juli 2015. Ich wollte zur Klippe von St. Non, wo die Kapelle “Our Virgin Mary and St. Non”. steht. St. Non ist die Mutter von St. David, dem Schutzheiligen von Wales. Diese soll im Sturm zum Gebären etwa eine halbe Meile vom Ort entfernt, zur Klippe gelaufen sein. So zumindest hat es der Heilige Patrick, der Schutzheilige von Irland, vorhergesehen.

Auf meinem Weg zur Kapelle St. Non überlegte ich, was ich über St. David eigentlich wusste.

Im Mittelalter glaubte man, St. David sei der Neffe von König Arthus gewesen, tatsächlich aber gehörte David der walisischen königlichen Familie in Wales an, die dort gewohnt hat wo heute die Stadt St. Davids steht. Als Mönch brachte er das Christentum ins heidnische Britannien und die Bretagne und gründete etwa ein Dutzend Klöster. Auf einer Pilgerfahrt nach Jerusalem wurde er zum Bischof gesalbt. Hier, wo heute die Kathedrale von St. Davids steht, in seinem Heimatort, hat er nach seiner Rückkunft ein weiteres Kloster gegründet und dieses zu seinem Bischofssitz gemacht. Es herrschten strenge Regeln im Kloster. Die Mönche mussten ohne Hilfe von Tieren arbeiten (z.B. keine Ochsen vorm Pflug). Abends wurde gebeten, geschrieben und gelesen. Persönlicher Besitz war verboten, ja sogar nur von „mein“ zu sprechen. Zu trinken gabs nur Wasser und zu essen Brot mit Salz und Kräutern. Am 1. März 589 AD starb David und wurde in einer Kapelle beigesetzt, die im 10. Jhd. Bei einem Wikingerüberfall zerstört wurde. Im Jahr 1120 wurde er heilig gesprochen.

Auch wenn ich mir nicht vorstellen kann, dass seine Mutter zur Klippe geeilt ist um ihn dort im Sturm zu gebären, kann ich mir dagegen gut vorstellen, dass David als Kind bestimmt öfter mal an dieser Küste war um Abenteuer zu erleben, um Vogelnester zu plündern oder später, als er älter wurde, zum meditieren, …

Man hat einen tollen Blick von da oben und hört die Schreie von Seevögeln. Ich bin allein mit der Natur. Nur ab und zu sehe ich mal ein Wanderer auf dem Wales Coast Path.

Der Ort St. Davids liegt auf so einer Art Halbinsel und so führt der Wales Coast Path fast einmal rundherum. Von St. Davids aus führen Straßen in mehr oder regelmäßigen Abständen sternförmig an die Küste, so dass man immer wieder auf direktem Weg in die Stadt zurückkehren kann.

Spontan entschloss ich mich beim Verlassen der Kapelle ein Stückchen weiterzugehen. Es waren ja nur ein paar Meilen bis zur nächsten Straße, die nach St. Davids zurückführt. Das Wetter war super zum Wandern, der schmale Weg ganz große Klasse und ich genoss es einen Schritt nach dem anderen zu machen und genoss die Ausblicke über die Klippen.

„Oh, ich bin schon da? Hm, bis zur nächsten Straße sind es ja wieder nur ein paar Meilen. Die sind locker noch drin“, denke ich und gehe wieder weiter. Ich treffe auf ein- oder zwei Backpacker, sehe Schafe, ganz viele Vögel und tolle Klippen. Mal führt der Weg bis runter zum Meer und mal oben an den Klippen entlang.

Die nächste Straße ist schnell erreicht, aber es ist so schön unterwegs und ich will noch nicht zurück in die Stadt. Daher folge ich dem Wales Coast Path weiter, entlang ausgesetzter Wege am Rande der Klippen, dann auf schmalen Trampelpfaden über Schafweiden, vorbei an blühenden Blumen und Farnen.

Auch die nächste in die Stadt zurückführende Straße lasse ich unbeachtet und gehe weiter. Dann entdecke ich vor mir in der Tiefe plötzlich einen Strand. „Das ist bestimmt Whitesands Beach! Obs da nen Kiosk gibt?“, frage ich mich – und ich hatte richtig geraten. Whitesands Beach istderStrand in dieser klippenreichen Gegend. Leute sitzen hinter Windschutz in Jacken am Strand und genießen es. Andere werfen sich Neoprenanzüge über und stürzen sich in die Fluten. Außerdem gibts ein kleines Geschäft für Strandsachen und einen Verkaufstresen. Ich fühle mich wie an einem Sommertag an der Adria, nur dass es windiger und kälter ist – Strandleben mal anders…

Ich kaufe mir einen Becher Tee im Kiosk und beschließe spontan nochmals ein Stückchen weiterzugehen, denn es ist nur noch eine weitere Meile zum St. Davids Head und dort soll es ein Dolmen (Steinzeitgrab) geben. Das zu suchen ware ein absolutes „muss“!

Der Wind pfeift und ich habe den Weg verloren, weil dort oben viele Menschen viele Trampelpfade hinterlassen haben – doch dann stand ich davor, drehte mich um und blickte übers Meer. Ich bin Eins mit der Natur. Der Wind, der Ausblick – Eternity!

Nun tun mir aber langsam die Füße weh und ich bin echt müde. „Genug! Zurück nach Hause!” Also gehe ich zurück zur Whitesands Beach um von dort aus die Straße zurück nach nach St. Davids zu nehmen.

Gute 6 Stunden nachdem ich mein Hotel am Morgen verlassen hatte, betrat ich es wieder. Insgesamt hatten sich stückchenweise stolze 25 km angesammelt.

Fortsetzung folgt…