Auf der Themse durch Greater London

Auf der Themse durch Greater London

15. März 2018 2 Von Claudia

Im September 2017 wollte ich ins Abenteuer Thames Path starten und auf den ersten Etappen London durchqueren, doch dann kam ein vom Fersensporn schmerzender Fuß dazwischen. Aber das hält eine Weltentrudlerin natürlich nicht auf! Ich überlegte und schnell war eine Lösung gefunden! Ich werde mich, statt am Ufer entlangzwandern einfach auf die Themse begeben und die Strecke (fußschonend) mit dem Schiff abfahren!

Mit der Tube gings nach Windsor, zum Windsor Embankment, um von dort aus eine Bootstour zur Sperre (Thames Barrier) zu unternehmen. Die Strecke von der Thames Barrier nach Westminster wäre eine lange Tageswanderung von über 20 km gewesen. 

Etappe 1: Von der Barrier zum Westminster Embankment

Bei der Thames Barrier angekommen, sammelte ich meine Gedanken und machte mir klar, dass dies nur der Ausgangspunkt meiner Reise ist, da hier der Thames Path beginnt. Ich fand es schade, dass ich hier nicht von Bord gehen kann, doch dann fällt mir auf, dass das Ufer ist hier echt trostlos ist. Vom Schiff aus sieht es wie ein Industriegebiet aus. Warum nur lässt man einen Wanderweg an so einer Stelle enden/beginnen???

Auch die Thames Barrier ist irgendwie enttäuschend, denn das interessanteste ist ja unter Wasser – und doch auch beeindruckend. Die „Tore“ gegen die Sturmfluten sind halbe Tonnen, die unter der Wasseroberfläche zwischen den Bauwerken befestigt sind. Bei geöffnetem Zustand (wie im Bild) ist die flache Seite der rissigen halben Tonnen oben. Diese werden beim Schließen um 90 Grad nach oben gedreht und schauen sodann aus der Wasseroberfläche hinaus, die Flache Seite flussabwärts schauend. Das dauert etwa 30 Minuten. Nach dieser Zeit ist London vom übermäßig einströmenden Wasser geschützt.

Während es auf der Hinfahrt noch einen interessanten, aber anstrengenden, da ununterbrochenen Life-Kommentar gab, blieb der Lautsprecher auf der Rückfahrt glücklicherweise ruhig.  So konnte ich versuchen vom Schiff aus den Fluss zu erspüren. Ich blicke auf das Wasser. Ab und zu schwimmt Abfall vorbei und das Wasser schaut alles andere als einladend aus. Arme Themse!

Vorbei gings, wie auf der Hinfahrt erklärt wurde, an überteuerten Mietshäusern am menschenleeren Ufer der Themse, da hier die Mieten so teuer und die Wohnungen so klein sind, dass hier die meisten nur unter der Woche wohnen, während sie zur Arbeit gehen. Am Wochenende gehts zurück zu den Familien auf dem Land. Puh, ich bin echt froh, dass ich das Stück nicht zu Fuß gegangen bin. Wäre irgendwie spooky geworden – verlassene Welt.

Diesen Teil von London finde ich immer noch recht hässlich. Hochhäuser. Viele Hochhäuser. Massenweise Hochhäuser. Versteht mich nicht falsch. Mir gefallen Hochhäuser normalerweise. Aber in dieser Masse über eine so lange Strecke finde ich sie total unattraktiv und auch irgendwie erschreckend.

Dann überqueren wir den, durch zwei unscheinbare weiße Stangen am Flussufer gekennzeichneten, Nullmeridian und treffen in Greenwich ein. Hier kann man erst mal Luft holen, denn Greenwich ist vom Wasser aus gesehen recht – nun ja, grün 😀

Das war ein scherz. Greenwich ist nicht nur grün, sondern die Gebäude sind auch total imposant und was man dort alles entdecken kann ist total spannend, wie ich im Februar 2011 herausfand. Greenwich ist auf jeden Fall einen Besuch Wert ist.

Ein Stück hinter Greenwich tauchte der Shard am Horizont auf und andere mir bekannte Hochhäuser – und dann geht’s auch schon unter London’s Brücken durch und vorbei am Tower und unter der Tower-Bridge hindurch. Hier sind natürlich Menschen unterwegs und es gibt Geschäfte und Lokale am Thames Path. Das Wandern wäre hier endlich interessanter gewesen, doch der Blick aufs Wasser macht mich weiterhin nicht glücklich. Hübsch ist anders…

Etappe 2: Vom Westminster Embankment nach Hampton Court

Diese Strecke hätte ich zu Fuß in zwei Tageswanderungen zu etwa 20 km zurückgelegt. Drei Tage wäre ich also zu Fuß von der Sperre bis nach Hampton Court unterwegs gewesen. London ist echt riesig!

Am nächsten Tag gehts weiter: Flussaufwärts, durch London’s Innenstadt und unter vielen Brücken hindurch. Viele Wohnblöcke stehen am Ufer. Der Fluss ist eingeengt, eingesperrt zwischen Kaimauern. Wäre ich da wirklich mit Genuss entlanggelaufen? Ich glaub nicht – und beglückwünsche mich schon wieder, dass ich wegen meinem Fuß das Schiff nehmen musste.

Dann kommen wir langsam in die Vorstädte von London, das Ufer wird immer grüner und ich kann mir nun endlich gut vorstellen da am Ufer langzuwandern. Dort am Uferpfad, zwischen den Leuten wäre ich mit meinem Daypack marschiert – der heutige Tag wäre das perfekte Wanderwetter gewesen.

Auf dem Schiff allerdings habe ich trotz meiner winddichten Regenbekleidung begonnen zu frieren. Dennoch möchte ich mich nicht unter Deck begeben, denn ich möchte die Themse erleben – und das geht nur an Deck! Als ich realisiere dass ich mich hier so wohlfühle, weil es hier bereits aussieht wie im ländlichen England, vergesse ich die Kälte für einige Zeit. Noch immer befinde ich mich in Greater London. Ja, das sind immer noch die Vororte der Megastadt – und so malerisch!

Wir kommen zur Schleuse in Teddington. Jetzt macht der Kommentator mich erst mal sprachlos. Alles was ich bisher mit dem Schiff abgefahren bin, von der Thames Barrier angefangen, quer durch Inner London, bis zur Schleuse in Teddington, ist die Themse von den Gezeiten geprägt. Nun erst verlassen wir die Themse der Gezeiten  und fahren auf der Süßwasser-Themse weiter.

Es ist weiterhin eiskalt auf dem Schiff. Glücklicherweise kommt von nun an immer öfter die Sonne zwischen den Wolken durch. Das wärmt etwas. Doch unter Deck gehen will ich immer noch nicht. „Wenn ich schon nicht wandern kann, will ich zumindest unter freiem Himmel sein“, denke ich trotzig und auch etwas wehmütig.

Bei (gefühlt) strahlendem Sonnenschein fahren wir weiter den Fluss hinauf und ich genieße nun jede Minute. Die Ufer sind grün und die Häuser der Ortschaften passen wunderschön in diese Landschaft. Ich muss mir immer wieder klar machen, dass wir immer noch in Greater London sind, denn alles sieht so ländlich aus und gefühlt ist man so weit weg von London.

Viel zu früh taucht nach insgesamt gut drei Stunden Fahrt Hampton Court auf, wo ich von Bord gehe. Ich blicke den Fluss hinauf. Es wäre eine weitere Tagesetappe von Hampton Court nach Staines-upon-Thames.

Doch diese Strecke von etwa weiter 20 km musste ich für dieses mal ausfallen lassen, da es für diese Strecke nur im Sommer eine Schiffverbindung gäbe und weder Bus noch Bahn folgen dem Lauf der Themse, so dass ich auch nicht darauf ausweichen kann.  

Somit startet meine dritte Etappe in Hampton Court. Von dort gehts voraussichtlich im Oktober 2018 zu Fuß weiter Flussaufwärts – aber dazwischenkommen kann ja immer mal was, wie ich ja leidvoll erfahren habe. Lassen wir uns überraschen!

Fortsetzung: Besuch von Hampton Court