Bergfest auf dem Thames Path

Bergfest auf dem Thames Path

6. Oktober 2018 4 Von Claudia

Mein Fuß hat die letzten zwei Etappen auf dem Thames Path einigermaßen durchgehalten und so kann ich mein Vorhaben von Windsor aus weiter Flussaufwärts bis nach Reading zu wandern – mit Einschränkungen…

Von Windsor nach Reading

Mein Vorhaben den Thames Path ab Hampton Court vollständig zu Fuß zu laufen (Plan A) ist also gescheitert. Glücklicherweise hate ich noch Joker in der Hinterhand: Ich nehme den Zug wo immer die Strecke (mehr oder weniger genau) der Themse folgt (Plan B). Wichtig dabei ist mir, dass ich in die Richtung fahren kann in die ich auch Wandern würde. Sollte das auch nicht klappen und müsste Strecken gegen meine eigentliche Wanderrichtung zurücklegen wäre das praktisch der Abbruch meiner Reise entlang der Themse (Plan C).

Aber genug geplappert. Zurück zu diesem Abschnitt meiner Reise. Diesen lege ich in vier Tagen zurück:

  1. Windsor – Maidenhead, ca. 10 km (Zug notfalls möglich – Plan C)
  2. Maidenhead – Marlow, ca. 14 km (Zug-Joker möglich, Plan B)
  3. Marlow – Henley-on-Thames, ca. 14 km (Zug notfalls möglich- Plan C)
  4. Henley-on-Thames – Reading, ca. 16 km (Zug-Joker möglich, Plan B)

5. Etappe: Windsor – Maidenhead

Am Morgen weiß ich erst mal nicht, wo ich bin. Die zweite Nacht in einem Travelodge-Zimmer die sich ja alle gleichen und irgendwie wirft mein Kopf grad beide durcheinander. Nachdem ich mir wieder klar darüber war, dass ich in Windsor bin, steige ich vorsichtig aus dem Bett. „Ja, der Fuß fühlt sich nach Wandern an“, freue ich mich.

Kurz vor elf schultere ich meinen Rucksack und breche auf. An der Themse angekommen überquere ich diese erst mal, um auf den Thames Path zu gelangen.

Bald treffe ich auf zwei andere Wanderer, die aber nur nen Tagestrip auf dem Thames Path machen und offensichtlich mit Hilfe nes Reiseführers interessante Sachen auf der Strecke besuchen. Ich genieße lieber den sonnigen Tag und suche noch nicht mal Geocaches, sondern genieße die Blicke über die gemächlich dahinfließende Themse.

Ich komme zügig voran und überlebe es unbeschadet, mehrmals von den verschiedensten Hunden überholt zu werden. Diesmal laufe ich nicht an Straßen entlang, dafür aber durch mehrere „Pflanzentunnels“ hindurch und immer wieder gibts Ausblicke auf die Themse. Diese ist heute am Samstag von vielen Booten befahren. An den Schleusen kommt es praktisch zum Stau.

Relativ entspannt und mit kaum schmerzendem Fuß komme ich in Maidenhead an. Ob es an den anderen Schuhen (Trailrunningschuhe statt Wanderschuhe) liegt, dass es heute besser lief als gestern? Oder daran, dass ich öfter auf Trails statt auf Teer lief? Jedenfalls freue ich mich über den erfolgreichen Wandertag. Noch bevor ich ins Hotel gehe suche ich den Bahnhof auf um herauszufinden wie häufig morgen, am Sonntag, der Zug nach Marlow fährt.  Danach gehe ich essen kaufen und gönne dann meinen beiden tapferen Beinen im Hotel die wohlverdiente Pause.

6. Etappe: Maidenhead – Marlow

Strahlend blicke ich am nächsten Morgen aus dem Fenster: „Wieder ein Tag auf dieser Reise mit strahlendem Sonnenschein!“ Fast bin ich ja versucht doch zumindest nen Teil der Strecke zu laufen, aber ich bleibe lieber brav. Ich hab ja noch weitere zwei Tage mit etwa 15 km vor mir. Da bin ich heute lieber vorsichtig.

Der Zug fuhr recht gemütlich seine paar Haltestellen ab. Die Strecke bis zum ersten Halt war nicht wirklich sehenswert, da es  mitten durch die Stadt ins Industriegebiet geht. Doch auf dem Weg nach Cockham war wieder viel Gebüsch an der Strecke, doch man hatte immer wieder mal einen schönen Ausblick auf Felder und Schafe. Nach Cockham betrachtete ich begeistert die über mir kreisenden Greifvögel und hätte daher beinahe das Überqueren der Themse nicht mitbekommen. Für ein Foto war es aber viel zu spät.

Nach Bourne End hatte ich dann immer wieder tolle Blicke auf die Themse. Viele Sonntags-Spaziergänger waren dort unterwegs wo ich eigentlich hätte  entlangwandern wollen…

In Marlow angekommen, ging ich ein kleines Stück zurück, runter zur Themse um  dann dem Thames Path rein in den Ort zu folgen. „Fühlt sich irgendwie nach cheaten an“, denke ich als mich ein paar Leute, wie ich finde, bewundernd anschauen. Andererseits waren es am Ende des Tages dann doch etwa 4 1/2 km, die ich mit Gepäck unterwegs war.

Marlow ist ein netter kleiner Ort mit ein paar Geschäften und Kaffees, wobei ich eines der letzteren gleich mal teste. Tee und leckerer Carrot Cake. Danach war ich auf dem Weg zum Hotel noch etwas bummeln und der Rest des Tages war für mich ein gemütlicher Lesenachmittag.

7. Etappe: Marlow – Henley-on-Thames

Ausgeruht – musste ich erst einmal frühstücken. Warum hatte ich das eigentlich in diesem Hotel mitgebucht? Also gab es poached eggs, beans, mushrooms, black pudding und so gebratene Kartoffelteile mit Toast. Dann musste ich mich erst mal im Hotelzimmer erholen und etwas verdauen. Um halb elf brach ich dann auf.

Es war herrlich der Themse zu folgen. Es war weniger urban als die letzten Tage. Nur ich und die Themse – und viel Natur um mich herum. Pferde, Kühe und ne Schafherde. Super!

Nach etwa 2/3 der Strecke begannen die Parks. Und dann führte der Weg doch glatt durch ein Wildgehege – wo ich fast in deer-Kacke getreten wäre. Man sollte echt hingucken wo man lang geht.

Raus aus dem Wildgehege und dann quer durch einen ganz kleinen Ort. Kurz danach kam eine Schleuse. Von hier aus nach Henley-on-Thames wurde das erste Bootsrennen zwischen Oxford und Cambridge ausgetragen. Ruderer sind auch heute noch einige auf der Thrmse unterwegs, nicht nur auf diesem Stück der Themse. Das Rennen fand aber bereits im zweiten Jahr in London statt…

Die Themse glitzerte in der Sonne. Canadien Goose flogen immer wieder über mich hinweg. Das Wasser plätscherte am Ufer. Mein Fuß tat zwischenzeitlich echt weh. Und dann überquerte ich die Brücke in Henley-on-Thames, meiner vorletzten Station auf dieser Reise.

Henley-on-Thames ist ein wunderschöner Ort an der Themse. Da könnte ich doch glatt länger bleiben, aber ich morgen früh geht’s weiter nach Reading. Nur wie?

8. Etappe: Henley-on-Thames – Reading

Am Morgen fühlt sich mein Fuß wieder besser an, so dass ich daran dachte nur etwa 1/3 der Strecke mit dem Zug zu fahren und den Rest dann zu laufen. Die endgültige Entscheidung habe ich am Bahnhof am Fahrkartenschalter getroffen. Es fiel mir schwer überhaupt ein Ticket zu kaufen, denn meinem Fuß gings so gut, dass ich echt überlegte doch die ganze Strecke zu Fuß zu gehen. Zum Glück machte ich es nicht, aber dazu später.

In Shiplake angekommen Verlies ich den Bahnhof und stand direkt wieder auf dem Thames Path. Dieser führte mich erst gut ne halbe Meile durch den Ort und dann gings rauf, auf den Trail.

Jeder Schritt brachte mich näher an Reading heran. Jeder Schritt führt mich näher zum Ende meines Urlaubs. Meine Gedanken kreisten um den Thames Path. Meinen Thames Path, den ich mir so mühsam erkämpfte. Herbstliche Bäume spiegelten sich im Wasser, Boote lagen angetaut an Liegeplätzen. Ab und an begegnete ich einem Spaziergänger mit seinem Hund. Ich dachte an die letzten Etappen hier am Thames Path und an meine Pläne für die folgenden Etappen – und meinen Fuß. Immer wieder musste ich mich bewusst von meinen Gedanken losreißen, um die herrliche Landschaft bewundern zu können.

Doch dann kam ich in den Wandermodus und bestaunte Canadian Geese, Schwäne, Enten – und die vielen Boote. Vor allem die langen schmalen Narrowboats finde ich total romantisch. Allerdings nur so lange ich nicht nah dran bin. Die laufenden Motoren, die man hört und riecht,  erinnern daran, dass das schon „Dreckschleudern“ sind, im Gegensatz zu meinen Füßen. Apropos Füße. Alles o.k. bisher.

Dann erkennt man, dass das Ufer wieder Parkanlagen erinnert. Gassi-Geher, Familien und Jogger sind unterwegs. Ich bin in Reading angekommen. Ein schneller Blick aufs Handy. Noch 5 km bis zum Hotel. Ich folge weiter dem Thames Path. Noch ein Blick aufs Handy. „Oh Mist! 8 km bis zum Hotel, wie… Oh Mann, ich folge dem falschen Fluss!!!“, erkenne ich. Da es zum Umkehren schon zu spät ist folge ich der Themse noch bis zur Brücke neben dem Bahnhof.

Dann hieß es um 90° links um – und so … schlurfe ich zum Hotel. Mein Fuß ist nicht mehr wirklich begeistert und vom Umweg noch weniger. Am Ende des Tages war ich wegen des Umwegs dann doch über 14 km unterwegs gewesen.

Aber dann ist alles vergessen. Plan B hat mich bis nach Reading geführt! Glücklich grinsend lege ich im Hotel meine Füße hoch. Ich habe es geschafft und musste nicht abbrechen!

Reading der perfekte Ort meine Reise entlang der Themse für diesen Urlaub zu beenden, da es ziemlich genau auf der Hälfte liegt. Bergfest, also.

Fortsetzung (mit Joker) folgt Ende Dezember …