Die Weihnachtsbaustelle

Die Weihnachtsbaustelle

1. Januar 2021 Aus Von ClaoWue

Ich hatte lange keine Krippe, weil ich keine gefunden hatte die mir gefällt – und deren Preis ich bereit was zu zahlen. Vor ein paar Jahren fand ich sie. Sie besteht aus … nun, flachen Relief-Figuren. Ein Engel war nicht dabei. Letztes Jahr hat mir Angela einen selbstgetöpferten Engel geschenkt, ser farblich richtig gut zu meinen Krippenfiguren passt, wie ich finde.

Was meiner Krippe aber noch fehlte war ein Stall. Ich hatte ihn bisher noch nicht vermisst, aber wegen des Lockdowns schaute ich viel Kunst- und Bastelkanäle auf YouTube an. Da gibt es Leute, die aus Karton Puppenhäuser oder Feenhäuser bauen. Toll! Und plötzlich ergab ein Gedanke den anderen – könnt ihr schon sehen wohin das führt? – Richtig!

Am Heiligen Abend beschloss ich zu meinen Figuren nen Stall aus Karton und Pappe zu bauen. Natürlich sollte das ganze zu meinen Figuren passen und so wollte ich es möglichst schlicht halten, eher nur ein Hintergrund mit Boden als ein richtiger Stall.

Am ersten Weihnachtsfeiertag eröffnete ich die Baustelle. Ne Trockenmauer wäre cool gewesen, aber an die hab ich mich dann doch nicht ran getraut. Vielleicht besser ne Ziegelwand? Aber so viele einzelne Ziegel? Am Ende entschied mich dann für ne Bretterwand.

Die Rückwand aus Karton und Pappe steht.

Am zweiten Weihnachtsfeiertag fertigte ich „Papier-Lehm“ aus ein paar Blättern Toilettenpapier, Wasser, Mehl, etwas Salz und Tapetenkleister um die Kanäle der Kartonage etwas zu verputzen. Ich hätte zur Zubereitung doch besser den Mixer nehmen sollen, weil das Papier stellenweise verklumpt ist, statt sich mit dem Mehl verkneten zu lassen. Aber ansonsten war ich begeistert. Wenn man die Masse richtig hinkriegt, kann man das ganze wie ne lufttrocknende Modelliermasse verwenden.

Das Trocknen dieses von mir stellenweise dicker aufgetragenem Paperclay dauerte etwas und da es vorm nächsten Schritt wirklich durchgetrocknet sein sollte. Wie könnte ich das beschleunigen? Hm … Ich hätte da ne Idee. Soll ich wirklich? Ja, ich machs!

Hoffentlich kohlt nichts an!

Am 27. Dezember war alles getrocknet. Da dieser Tag ein Sonntag war, hab ich gleich mit Gesso den Untergrund vorbereitet. So wird die Farbe besser halten bzw der Karton nicht zu viel Wasser aufnehmen – ich hab ja nur Gouache und Aquarellmarker, also wasserbasierte Farben (Wasserfarbe), zu Hause. Das wird kein produktiver Tag, denn gleich nach dem Grundieren … So, nun muss wieder alles trocknen!

So, alles grundiert – ich hab aber etwas Angst, dass ich das mit der Farbe nicht hinkriege und ohne Bemalung alles viel besser gewesen wäre …

Ich sah mir nochmal Videos von Baumeistern aus YouTube an und merkte plötzlich, dass ich ein Problem hatte: meine Grundierung war weiß. Die grundieren alles schwarz und arbeiten dann mit Farbe, damit alles schön plastisch wird, doch – so viel Schwarz hab ich nicht!

Entweder ich versuche es so, auf die Gefahr hin, dass ich am Ende alles nochmal machen muss – oder ich kaufe mir schwarz (bzw. ich bestelle es mir, denn es ist ja Lockdown) und warte mit der Farbe noch… Ich habe mich dann entschieden es mit dem zu versuchen was ich eh schon zu Hause habe. Notfalls muss ich es halt wieder übermalen.

Ich hab dann zunächst Ocker und Sand für den lehmverputzten Teil des Stalls aufgetupft, dunkles Umbra auf die Holzbalken, schwarz auf die Schiefer-Schindeln, dunkles grau auf die Steine und Ocker auf den Boden… Und nun erneut: Trocknen lassen!

Erster Anstrich samt erster vorsichtiger Nachbearbeitung … noch ist einiges zu tun. Der Boden ist farblich völlig falsch und das Podest müssten noch heller werden – und der Lehm am Dach gefällt mir überhaupt nicht…

Am gleichen Abend habe ich nochmal zu den Farben gegriffen und den Lehm durch Steine ersetzt, sowie den Boden neu gemacht. Das Ergebnis wollte ich mir dann aber, vor eventuellen weiterem Farbauftrag, erst nochmal im Tageslicht ansehen und hab daher erst mal Feierabend gemacht.

Nun dominiert der Boden optisch alles und ist viel zu unruhig für meine Figuren (die stehen links daneben).

Vom 28. bis 30. Dezember fiel es mit total schwer zur Arbeit zu gehen. Viel lieber hätte ich am Krippenstall weitergearbeitet. Aber was sein muss muss sein – und da es nach Arbeit und Essen schon wieder dunkel war, hab ich beschlossen die Baustelle bis Silvester einzustellen…

Silvester! Kurz vor Mittag nahmen die Arbeiten am Stall wieder Fahrt auf!

Den Bodenbelag aus Tee hab ich dann noch ergänzt mit einem Gemisch aus Chinchillasand, Kleister und Wasser …

… und es begab sich zu der Zeit, als der Boden vollgesogen war mit Feuchtigkeit und sich wölbte, dass mit großem Lärm ein starker Wind heranzog. Dieser heiße, stetige Luftstrom trocknete das Land und der Boden begann sich zu senken und die Feuchtigkeit entschwand.

Am ersten Tag des neuen Jahres legte sich ein stinkender Nebel auf das ganze Land und auf alles was auf ihm war und überzog alles mit einer dünnen, schützenden Schicht.

Kurz nachdem diese Schicht abgetrocknet war, zogen Vater, Mutter und Kind herbei und fanden dort Schutz, in der Ruine des Stalls. Eine himmlische Gestalt begleitete sie und ein Hirte brachte ihnen frische Milch von seinen Schafen auf dem Feld.

Am sechsten Tag des neuen Jahres werden Sterndeuter aus dem Osten kommen, die einem Stern gefolgt waren, den sie hatten aufgehen sehen. Der Himmel über dem Land war jedoch verschleiert und so navigierten die weisen Männer anhand ihrer Berechnungen bis zu dem Ort, wo das Kind war.
Sie gingen zu der Ruine des Stalls und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.

Vielleicht ist der Himmel am kommenden Weihnachten ja nicht mehr verschleiert und ein Stern zu sehen 😉

Ich wünsche uns fürs kommende Jahr, dass auch wir weiterhin unserem Stern folgen, auch wenn Wolken ihn vorübergehend verschleiern. Es lohnt sich!

Ein gutes Jahr 2021! ☘️