Hampton Court Palace

Hampton Court Palace

11. September 2018 3 Von ClaoWue

Die zweite Etappe auf meiner Reise entlang der Themse im Herbst 2017 endete, wie bereits erzählt (link zum Artikel ‚Auf der Themse durch Greater London‘), am Hampton Court Palace. Dort verlies ich  frierend das Schiff und eilte, den Palast links bzw. rechts liegen lassend, zum Bahnhof wo ich mir heißen Tee kaufte. Während ich diesen schlürfte, dachte ich darüber nach was mir von meinem Besuch im Februar 2011 über den Palast noch so in Erinnerung hatte:

Hampton Court wurde vom Erzbischof von York, Thomas Wolsey im 14. Jahrhundert gebaut (Tudorstil). Da er beim Papst dummerweise nicht die Scheidung von Henry VIII von seiner ersten Ehefrau Katharina von Aragon durchsetzen konnte verlor er alles und Henry VIII nahm 1528 unter anderem Hampton Court in seinen Besitz. Von da an war es bis ins 18. Jahrhundert die bevorzugte Residenz der Könige. 

Henry VIII lies das Schloss für läppische 62.000 Pfund (das wären heute 18 Mio Pfund) ausbauen. 1540 war es das gigantischste und modernste in England. Es gab eine fantastische Kapelle, einen riesigen Bankettsaal, Tennisplätze, Bowlingbahnen, Gärten und einen fast 450 ha großen Wildpark. Außerdem war eine große, wassergespülte Toilette mit 28 Plätzen eingebaut, das große Haus der Erleichterung. Das Wasser wurde mit Hilfe von  Bleirohre aus dem 5 km entfernten Coombe Hill herbeitransportiert.

Klar, dass man mit so einem Schloss angeben muss. Hier empfing Henry VIII daher zahlreiche Gäste und Besucher aus ganz Europa. Im August 1546 kam der französische Botschafter für 6 Tage zu besuch. Da beherbergte der Palast neben dem etwa 1300 Personen zählenden Hofstaat Henry VIII etwa zweihundert Gäste. Zu diesem Zweck war das Schloss von einem prächtigen Zeltlager umgeben. 

Gespannt schritt ich im Februar der Jahrs des Herrn 2011 durch das Tor und lief auf den Palast zu. Nachdem ich den Torbogen im Hintergrund durchschritten hatte stand ich in einem Innenhof mit Brunnen.

Dieser Brunnen war ein Wein-Brunnen – statt Wasser sprudelte Wein (der Brunnen im Bild rechter Hand). Allerdings soll der Wein damals im Mittelalter recht „hantig“ gewesen sein. Sehr gut trocken und wenig geschmackvoll, so dass die Meisten Ale bevorzugten.

Durch ein weiteres Tor gings rein in den Palast. Genauergesagt in den mittelalterlichen Teil des Palastes. Über meinen Audio-Führer wurde ich erst vom Butler, später von einer Dienerin durch den Palast geführt – auch dorthin wo früher sicher kein Besucher auch nur einen Fuß gesetzt hat, denn ich wurde durch den Weinkeller und die Küchen geführt. Ich fands in den Küchen total beeindruckend. An den Wänden standen viele Kochstellen mit großen eisernen Töpfen drauf – und dann der riesige offene Damit mit Grillvorrichtung. Obelix hätte seine Freude daran gehabt dort seine Wildschweine zu grillen – mehrere auf einmal und im ganzen!

Daneben war das Zimmer des Küchenmeisters, der alle Vorräte im Blick haben musste. Das war bestimmt nicht einfach, zumal wenn Feste gefeiert wurden. Feste? Fressgelage trifft es wohl eher. Von Pasteten aßen die nur das innere. Der Teig außen war Verpackung und blieb achtlos liegen.

Es ging runter in den Weinkeller. Plötzlich hörte ich Schritte die Treppe herunterkommen. Ein Hahn wurde geöffnet und Wein lief in eine Karaffe. Ich blickte mich um und konnte niemanden sehen, doch ich hörte das Phantom wieder die Treppe hinaufsteigen… Immer wieder gab es solch übernatürlichen Phänomene. Geisterpferde wieherten im Hof des Palasts. Feuer prasselte. Jemand schepperte mit Geschirr… Neben dem voll informativen und kurzweiligen Audioführer haben die noch Audio-Installationen angebracht, die einem das Leben im Palast zu Zeiten Henry VIII näher bringen.

Durch einen schmalen Gang für Diener gelangte ich schließlich auf recht kurzem Weg zum Festsaal. Klar doch, die hohen Herren und Damen wollten doch ihr Essen warm auf den Tisch bekommen.

An diesem Tag jedoch gab es nichts zum Essen, sondern die „Burgfräulein“ von Hampton Court wurden mit lustigem Flötenspiel und Tanz unterhalten. Ich lies einen Blick nach oben schweifen. Wow! Die Decke ist echt beeindruckend!

Dann gab es da noch den barocken Teil des Schlosses, denn am Ende des 17. Jahrhunderts wurden große Teile von Hampton Court umgebaut (englischer Barock) um mit dem französischen Versailles mithalten zu können. Dieser Teil ist viel leichter und spielerischer als der mittelalterliche Tudorstil. Das Schloss ist mit seinen gewaltigen Ausmaßen, seiner prächtigen Innenausstattung und seinen ausgedehnten Gärten eines der Hauptwerke des Barocks in England – so wie der mittelalterliche Teil vom Tudor-Stil.

Spätestens jetzt bin ich total überfordert. Ich hatte schon viel zu viele Eindrücke des mittelalterlichen Teils des Palastes aufgenommenen dass ich für die Schönheiten des barocken Teils keine Augen mehr hatte und ehrlich gesagt ist er mir auch nicht wirklich in Erinnerung.

In ein paar Wochen werde ich hier bei Hampton Court in meine dritte Etappe des Thames Path starten. Es geht weiter der Themse entlang, flussaufwärts. Es ist klar, dass bald eine

Fortsetzung folgt…