Die Kelten bei Nürnberg (Mittelfranken)

Die Kelten bei Nürnberg (Mittelfranken)

3. Dezember 2018 1 Von Claudia

Der tropische Sommer des Jahres 2018 mit um die 35°C forderte seinen Tribut und mein Wissensdurst verfiel in eine Art Sommerstarre. So kam es, dass ich erst Anfang Dezember mein Keltenprojekt wieder in Angriff nahm.

Am Montag war ich beruflich in Nürnberg. Da könnte ich doch schon am Sonntag anreisen und Hätte Zeit auf dem Weg dorthin auf Kelten-Entdeckungstour gehen?! Der Zug und ein Bett im Hostel in Nürnberg waren schnell gebucht.

Am Morgen schau ich deprimiert aus dem Fenster. Kelten suchen? Heute? Blöde Idee! Es regnet und es soll auch weiterregnen. Soll ich wirklich??? Ich bin unschlüssig und ziehe dann doch zur geplanten Zeit los. Notfalls fahre ich halt nach Nürnberg durch. Andererseits… Ach, was weiß ich. Um viertel nach elf sitze ich jedenfalls (zum ersten Mal nass an diesem Tag) im Zug.

Meine Reise nach Nürnberg unterbreche ich dann doch nach etwa 1 1/2 Stunden in Happurg – da die Wettervorhersage von nur noch 30 % Regenwahrscheinlichkeit ausging und es nur noch nieselte.

Ich nähere mich dem dem hinter dem Ort Happurg liegenden Houbig. Der Hügel auf dem einst die Kelten wohnten liegt unter einer dicken Wolkenschicht. Nebelschwaden steigen aus dem Wald auf. Mystische Welt.

Im Jahr 400 v.Chr. (Keltenwanderung) schaue ich mich verwundert um. Eine Oppida ist das hier definitiv nicht. Schaut eher nach gut befestigten Siedlungen aus. Der Ringwall ist 4,5 km lang. Das heißt, dass er so groß ist, dass das mittelalterliche Nürnberg da reinpassen würde.

Die gut geschützten Siedlungen sind verlassen. Warum wohl?

Dummerweise hat der Regen wieder zugenommen. Ich breche meine Expedition im Freien daher ab und kehre zum Bahnhof zurück.

Um 500 v.Chr. Jetzt herrscht hier auf dem Houbig rege Bautätigkeit. Die bereits vorhandene Befestigung wird ausgebaut, damit auch die im Umland auf ihren Bauernhöfen lebenden Kelten hier Schutz finden können.

Nochmal ein paar Hundert Jahre zurück bis zur Urnengräberzeit, ca. 800 v.Chr. Die Kelten befestigen erstmals die Siedlung auf dem Berg.

Neugierig begebe ich mich weiter zurück in der Zeit. Die ersten Siedlungen hier auf dem Berg entdecke ich in der mittleren Bronzezeit (ca. 1600 v. Chr.)… Hm, bei meiner Reiserichtung durch die Zeit sinds wohl eher die letzten Siedlungen 😉

Weiter zurück. Ah, nun halten sich hier immer wieder Menschen auf. Die nutzen die komfortable Höhle zur Pause auf ihren Jagdzügenmit ihren Steinspeeren. Moment, ich bin ja bereits in der Steinzeit (ca. 9000 v.Chr). Ich bin viel zu weit zurückgereist in der Zeit, denn diese Menschen sind keine Kelten.

Jetzt ist es an der Zeit wieder ins Jahr 2018 n.Chr. zurückzukehren, denn die S-Bahn fährt ein. Zum zweiten Mal an diesem Tag durchnässt, aber bequem, warm und vor mich hintrocknend fahre ich mit der S-Bahn etwa ne 3/4 Stunde weiter nach Nürnberg.

Dort bin ich beim Burgherren von Nürnberg zu Gast. Im Regen durchquere ich die mittelalterliche Altstadt und denke dabei an die Kelten am Houbig. Ich werde wieder nass, zum dritten Mal an diesem Tag. Nun lassen auch meine Schuhe langsam Wasser durch. Die Jeans ist eh immer noch nass.

Eigentlich war geplant, dass ich nochmal rausgehe, aus der Burg zum Naturhistorishen Museum wo ich mich nochmals in die Eisenzeit begeben wollte und auf dem Rückweg dann am Chriszkindlmarkt vorbei? Aber mit nassen Schuhen? Nein. Und so vertage ich den Besuch im Museum aufs nächste Jahr und verbringe den restlichen Nachmittag im Trockenen Jogginganzug im gemütlichen Hostel mit Podcasts und Hörspielen im Ohr.

Wie ich bereits angedeutet habe, habe ich beschlossen mein bayrisches Keltenprojekt auch im Jahr 2019 fortsetzen. Ich hab da nämlich außer dem Museum in Nürnberg noch ein paar weitere keltische Orte auf meiner Liste und es wäre schade, wenn mir diese entgehen würde.