Die keltische Siedlung Radasbona (Oberpfalz)

Die keltische Siedlung Radasbona (Oberpfalz)

15. Februar 2018 1 Von Claudia

Seit der Steinzeit ist der Regensburger Donaubogen besiedelt. Als ältester Name einer vorgeschichtlichen Ansiedlung ist der keltische Name Radasbona überliefert (link zur Quelle des Zitats: Website der Stadt Regensburg).

Radasbona wurde auf verschiedenen Seiten im Internet zwar mehrmals erwähnt, aber näheres ließ sich darüber nicht herausfinden. So machte ich mich an einem Wochenende im Februar auf, um im historischen Museum von Regensburg an weitere Infos zu kommen.

Regensburg, 180 n.Chr.

Auf dem Weg in die Keltenzeit bewege ich mich in der Zeit zurück durch die Jahrhunderte und stand plötzlich vor der Porta Pretoria – bei den Römern… Nein, das reicht bei Weitem noch nicht, denn als die Römer kamen, waren die Kelten praktisch schon weg:     

Während des 1. Jhd. V.Chr. wanderten viele Kelten ab, u.a. nach Osten auf den Balkan.  Andere keltische Stämme u.a. die Boiern aus Böhmen) rückten nach. Im Laufe der Zeit wurden die Fürstensitze/Handelszentren (Oppida, wie die Römer sie nannten) im süddeutschen Raum komplett verlassen – vielleicht weil sich die Germananüberfälle häuften? Jedenfalls: als die Römer 15 v. Chr. erstmals in Bayern eintrafen, hatten sie ein leichtes Spiel mit den restlichen paar Kelten auf ihren Bauernhöfen…

Regensburg, 400 v.Chr.

Also reiste ich weitere 500 Jahre  zurück, in die Zeit, in der die Stämme der keltischen Kultur die ganze Welt besiedelt hatten – naja, also genauer gesagt Europa von Spanien bis zum Balkan und von den Englischen Inseln bis Norditalien (letztes haben sie zumindest versucht).

Die Hoch-Zeit der Kelten war etwa 500 v.Chr bis 15 v. Chr (La Tène-Kultur). Hier in Süddeutschland entstanden kleinere Viereckschanzen, deren Bedeutung noch nicht ganz klar ist. Waren es Bauernhöfe? Kultstätten? Eine Mischung aus beidem oder ganz was anderes?

Von den Römern beschrieben, und daher mehr bekannt, ist über die befestigten Fürstensitze und Handelszentren, die Oppida. Eine große aber recht dünn besiedelte Oppida (eher wie ein Dorf) gab es bei Kelheim (Niederbayern) und eine weit dichter besiedelte (eher wie eine Stadt) in Manching bei Ingolstadt (Oberbayern). Beide stehen auf meiner Besuchsliste.

Die Kelten trieben Handel von Griechenland bis Norwegen, also in ganz Europa und hatten sogar ein normiertes Münzsystem. Ein paar dieser Münzen sind im Historischen Museum in Regensburg ausgestellt. Gerade die Keltischen Fürsten, deren Oppida an den Handelsrouten lagen wurden richtig reich.

Ich erfahre, dass bei Bauarbeiten am heutigen Hochweg in Regensburg ein keltischer Hort mit goldenen Armreifen und so gefunden. Ein Hort? Ich lese die Informationstafel und erfahre, dass die Kelten wohl an mystischen Orten Wertgegenstände geopfert und  vergraben oder in Flüssen versenkt haben.

Der Hort deutet nun nicht unbedingt auf eine Siedlung hin und so verlies ich die La-Téne-Zeit und bewegte mich noch einige Jahrhunderte weiter zurück, bis zu den Anfängen der Kelten, ca. 1300 v.Chr.

Regensburg, 900 v. Chr.

Während der Hallstadt-Zeit (1200 bis 800 v. Chr.) gab es eine keltische Siedlung bei Burgweinting, etwa 5 km vom Stadtzentrum Regensburgs entfernt. Dort fand man Häuser mit unterschiedlichen Grundrissen und daher wohl auch unterschiedlichen Funktionen: Landwirtschaft, Stoff- und Keramikherstellung, sowie Metallverarbeitung

Regensburg, 1200 v.Chr.

Um nichts zu verpassen reise ich noch etwas weiter zurück und erfahre, dass es am Ende der Jungsteinzeit, also etwa zum Beginn der Keltenzeit, es eine Höhlensiedlung bei Kallmünz, das etwa 20 km außerhalb von Regensburg liegt, gab. Das historische Museum hat einige Fundstücke von dort, jedoch gäbe es keine weitere Information über diese Siedlung.

Regensburg, 2018 n.Chr.

Hm, nun bin ich durch die Jahrhunderte gereist, aber von Radasbona auf Regensburgs Stadtgebiet weiterhin keine Spur. Archäologen haben bisher tatsächlich noch keine Siedlung gefunden.

Statt dessen scheint es eher ungewiss zu sein, ob eine Keltensiedlung namens Radasbona überhaupt je existiert hat. Die Kelten selbst haben keinerlei schriftliche Zeugnisse hinterlassen – und Radasbona wurde erstmals in einem frühmittelalterlichen Text erwähnt. Also, ich hab gegoogelt, dass das frühe Mittelalter von ca. 500 n.Chr bis 1.050 n.Chr. war, somit folglich 500 bis 1000 Jahre nachdem die keltische Kultur aus Bayern verschwunden war…

Wie glaubwürdig diese mittelalterliche Quelle ist muss nun jeder für sich entscheiden.