Auf der Keltenschanze in München (Oberbayern)

Auf der Keltenschanze in München (Oberbayern)

5. Juni 2018 0 Von Claudia

Die spätkeltischeViereckschanze Buchendorfgilt als eine der am besten erhaltenen ViereckschanzenSüddeutschlands. (link zur Quelle des Zitats: Wikipedia)

Früher dachte man, dass die Römer, die etwa 15 v.Chr. hier ankamen, die Vierecksschanzen gebaut hat. Kein Wunder, denn die Via Julia, die von Salzburg nach Augsburg führt, läuft direkt daran vorbei. Daher nannte man sie Römerschanze. Doch tatsächlich wurde die Vierecksschanze grob geschätzt um die 200 Jahre vor Ankunft der Römer von den Kelten der La Téne Zeit (Eisenzeit) erbaut, diese also in Wahrheit eine Keltenschanze ist.

Im historischen Museum von Kelheim hatte ich erfahren, dass die keltischen Vierecksschanzen Kultstätten waren. Sie wurden fernab von Siedlungen in der Einsamkeit erbaut. Die einzige Zugangstür war so angebracht, das die Sonne zur Sommersonnwende vom Aufgehen bis zum Untergehen hineinstrahlte. In Keltenschazen wurden Spuren je eines hölzernen Tempes gefunden, sowie  Anzeichen von Opferschächten – auch Menschenopfer wurden erbracht. Die Kelten hatten also neben den heiligen Stätten an Flüssen und Mooren auch selbst erbaute Kultstätten.

Aber ich will mich hier nicht mit zu viel geschichtlichem aufhalten. Interessierte können beim Zeitspringer (link zum Blog von Zeitspringer) nachlesen. Dort gibt’s auch weitere Infos über die Keltenzeit, in der Nähe liegende Grabhügel aus der Hallstadtzeit u.a.

Gauting, Mai 2018 n.Chr. 

Mit der S-Bahn fahre ich nach Gauting. Dort ziehe ich los zur Römerstraße, die von Salzburg nach Augsburg führt. Knapp zweitausend Jahre geht’s zurück durch die Zeit…

Via Julia, Mai 200 n.Chr. 

Ich folge der Via Julia etwa ne 3/4 Stunde zu Fuß Richtung Westen. Ein Bauer mit hölzernen Wagen kommen mir entgegen. In der Ferne donnern die Schritte von eisenbeschlagenen Sandalen einer römischen Legion.Dann nähere ich mich einem Waldstück. Dahinter muss die  Vierecksschanze liegen. Also noch ein paar Hundert Jahre weiter zurückreisen, in eine  Zeit, in der die Römer noch nicht mal dran dachten hierher zu kommen – behaupte ich jetzt mal einfach so ins Blaue rein 😉

Buchendorf, Mai 150 v.Chr. 

Als ich das Waldstück umrundet habe,  bin ich erst mal durch das im Wind wogende hohe Gras irritiert. Ich fand ich es erst etwas schwierig den Wall wirklich zu erkennen, doch je näher ich komme, desto deutlicher zeichnet er sich ab und ich erkenne auch die erhöht gebauten Ecken.

Ich erklimme den Wall und kann nun die vier Ecken, die Wälle zu jeder Seite und sogar den einen Eingang gut erkennen. Es ist unglaublich was nach über 2500 Jahren noch zu sehen ist.  In der Ecke links hinten (vom Eingang aus gesehen) stand, gemäß Informationstafel, der hölzerne Tempel.

Was sich in der Keltenzeit hier wohl für Szenen abgespielt haben? Waren die Druiden allein auf der Schanze beim Opfern? Kamen die Dorfbewohner einzeln oder in kleinen Gruppen oder waren es eher Wallfahrten zur Keltenschanze? Kamen sie tagsüber oder mit Fackeln in der Nacht? Ob die Druiden und ihre Schüler wohl in der Schanze wohnten – oder mit den Menschen im Dorf? Was? Wer? Wie? …

Während ich gedankenverloren auf einer Ecke der Keltenschanze sitze, und über das Gelände blicke, schwirren mir plötzlich unzählige Bilder durch den Kopf. Bemalte Krieger, die noch schnell vor dem Kampf opfern möchten, ein Gefangener, der von Druiden in einer Kutte zum Opferstein geführt wird, im Feuerschein tanzende Menschen, die ihre Opfergaben ablegen, …Natürlich alles bunt zusammengewürfelte Bilder aus diversen Filmen und Büchern, die wohl gar nichts mit der Wirklichkeit der Kelten zu tun haben.

Ich reiße mich daher von diesen Bildern los und kehre langsam ins hier und jetzt zurück. Die Vierecksschanze war ganz schön groß. Ob sich die Menschen in Zeiten der Not nicht doch in die Vierecksschanzen geflüchtet haben? Die waren sicher besser zu verteidigen als Dörfer. Weiß man das einfach nicht oder habe ich diese Information nur noch nicht gefunden? Wie kriegerisch waren die Zeiten damals wirklich?

Die Sonne scheint. Das Gras wogt im Wind. Insekten summen. Blütenduft liegt in der Luft. Es ist herrlich dort…